Werner Geißer


Erinnerung an die Kindheit!

Für meine Enkelkinder erzählt.

Ich wurde 1935 im März geboren, und war somit zu der Zeit, in der die Geschichte sich abspielte, gerade 8 Jahre alt, ungefähr so alt wie ihr jetzt seid, und es war Krieg auf der ganzen Welt.

Ich hatte noch zwei Schwestern und zwei Brüder. Die Zeiten waren für die meisten Menschen sehr schlecht. Alle hatten großen Hunger und sehr wenig zu Essen, wenig Kleidung und noch weniger Holz oder Kohlen zum Heizen. Auch das Holz mußten wir im Wald sammeln und mit dem Handwagen nach Hause fahren. Und wenn ihr euch vorstellt, daß viele Menschen zu dieser Zeit im Wald Holz suchten, so könnt ihr begreifen, daß der Wald wie leer gefegt und nur noch wenige Äste zu finden waren.

Die Winter waren damals noch kälter als heute und es gab zu der Zeit viel mehr Eis und Schnee. Auch gab es noch keine Öl- oder Gasheizung wie heute. Spielsachen konnte man zu dieser Zeit nicht kaufen, erstens weil die Menschen wenig Geld hatten und zweitens gab es noch nicht so viele Spielsachen wie heute.

Zu dieser Zeit wurde vor Weihnachten noch sehr viel gebastelt, gehäkelt oder gestrickt, damit die Kinder etwas unter dem Weihnachtsbaum, als Geschenk finden konnten. Auch Wachskerzen oder elektrische Kerzen gab es zu der Zeit nicht zu kaufen. Damit wir Kinder aber doch einen schönen Weihnachtsbaum mit Lichtern und bunten Sachen bekamen, hatten wir selbst gebastelte Sterne aus Papier und Stroh und aus Holz gesägte und angemalte Figuren daran gehängt und mein Vater hatte aus altem Plexiglas Streifen geschnitten und mit Draht am Weihnachtsbaum festgebunden. Sie waren fast so schön wie richtige Kerzen. Als sie am Heiligen Abend zur Bescherung angezündet wurden und brannten, waren wir glücklich und zufrieden. Allerdings war dabei das ganze Zimmer voller Rauch, Qualm und Gestank von den Plexiglaskerzen.

Mein Vater hatte meinem Bruder und mir, zu Weihnachten je eine Kanone aus Metall gebaut, mit der konnte man die Murmeln aus Ton, sogenannte Klicker, richtig abschießen und sie flogen bis zu 2 Meter weit, taten aber nicht weh, wenn man getroffen wurde.

Obwohl schon 55 Jahre vergangen sind, sehe ich den Weihnachtsbaum mit den Plexiglaskerzen und den selbst gebastelten Figuren immer noch vor mir.

Ich wünsche mir, daß es keine Kriege mehr gibt und alle Menschen auf der Welt zufrieden sind mit dem was Sie besitzen.


© by Werner Geißer, Weiterstadt

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