Das Altern und das Alter
Vom Altern kann ich nur bezeugen,
dass man es meistens selbst kaum merkt;
doch And're schau'n schon manchmal eigen,
wenn "Jungsein" man durch "Mittel" stärkt.
Hat beispielsweise man verloren,
nach jahrzehntelangem Kauen,
diesen und auch jenen Zahn,
bleibt man nicht mehr ungeschoren,
denn man fiel in Zahnarzt`s Klauen,
der uns manchen schon abnahm.
Da uns aber solche Lücken,
schau'n wir an unser Gebiß,
nicht g'rad stehen zu Gesicht,
würd's auch And're nicht entzücken;
drum Prothesen - ganz gewiß
stören unser "Jungsein" nicht.
So gibt's "Mittel" auch für Haare,
für Wimpern, das Wangenrot,
für die Augen Okulare,
Hörhilfen, wenn Taubheit droht.
Dieses Bild von "Alten", "Lahmen"
noch v i e I and're "Mittel" rahmen,
die oft der Eitelkeit uns zeihen,
wo wir nur "Gleichberecht'gung" leihen!
Doch wer sich selbst will ablenken
von Vergänglichkeit der Jugend,
kann im Alter auch umdenken,
macht das "Hobby" sich zur Tugend!
Hier gibt's einen weiten Freiraum
betreffs Denken und Talent,
den im Arbeitstrott erreicht kaum
jemand, der die Welt schon kennt.
Manch' Traum findet nun zur Tat,
wird gestützt von Neugier, Mut:
Ob man wohl Begabung hat?
Wenn - ob's funktioniert auch gut?
So ist vielen dieser Rund'
erst im Alter worden kund,
welche Möglichkeit sich findet
in ihm, ja, noch mehr ihm kündet:
Dass zu tun ihm auch gelingt,
was Befriedigung ihm bringt;
andern Menschen gar gefällt,
sogar Freude ihm erhält
fortzusetzen sein Beginnen.
So die Zeit kann weiter rinnen.
Der Traum von Jugend zwar ist nichtig!
Das neue Wirken doch bestätigt:
Auch jetzt noch nutzt mein Tun, ist wichtig:
"Lebendig ist, wer sich betätigt!"
Wie heute und hier wir dies Wirken entfalten,
das sehen, hören und betasten wir jetzt.
Uns "Alten" auch Interessen nicht erkalten:
"Wir sind am Leben beteiligt - bis zuletzt!"
Denn Familie, Sippe neben
oft einigen Ander'n auch,
Anspruch zeitweis' noch erheben,
zeigen, dass man uns doch brauch'.
Da Jeder seit der Geburt jedoch
von dem Tod stets begleitet ist, bedroht,
gibt's weder für Jung noch Alt ein Loch,
wo i h n der "Gevatter" nicht brächt' in Not.
Manchem schon schauten wir nach ins Grab,
der mit uns gewandelt, gesessen;
der uns Vertrauen, Lieb', Trost auch gab,
Ermunterung uns zugemessen.
Etliche von uns waren leis' dann gemahnt:
"Was hat Hoffen, Glauben in uns schon gebahnt?
Wie bedenken wir den Ausgang des Lebens?
Oder - war das alles sinnlos, vergebens?"
Ja, das Alter hat viele Arten und Wege,
Gedanken zu wälzen, zu pflegen,
die früher vernachlässigt wurden gar rege,
der täglichen "Wirklichkeit" wegen.
Nun eine andere "Wirklichkeit" naht,
der wir uns zu stell'n sind genötigt:
"Werden für n e u e s Leben zur Saat
wir, nachdem das Alte erledigt?"
© by Gerold Geske, Schwabach
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