Maria Liebler


Herbst

Die letzten Birnen, Äpfel fallen
Holunderdolden färben sich blau
und wünschen gepflückt zu werden.
Weintrauben faßt des Winzers Hand,
Du weißt was daraus werden soll!
Über Dir, ja schau nur, schau -
fliegen sie südlich der Wärme zu
die Stare und all ihre Kollegen.
Und paß nur auf, es dauert nicht lang
gehst Du an Deinen Kleiderschrank
und nimmst den ersten Pullover heraus,
holst den Besen, um vor Deinem Haus
3x täglich das fallende Laub zu fegen.
Ind alle Tage es ist wahr,
wird etwas kürzer die helle Zeit.

Ja so ist es auch mit Dir, mein Freund!
Auch Du hältst Ernte und allerlei -
machst Rückschau, Vergleiche
mit"gestern" und "heut",
mit "damals" und "heute".
Ja, so war es damals, bei Vater, bei Mutter, bei den Geschwistern.
Es fällt kein dürres Laub herab, aber -
der Kopf tut weh, der Fuß mag nicht mehr.
Das Herz hat sich im Takt vergriffen
und das Gedächtnis im oberen Stübchen
kommt immer öfter Dir aus dem Takt,
zeigt neue Tücken, hat neue Tücken.
Was jammerst Du? Es ist Herbst!

Und was denk` ich mir von all dem, was?
Im Grunde genommen nur Dank, Dank, Dank
an den Schöpfer, der mir gab das Leben
und all die vielen Tage -
hat mich behütet und treu umsorgt.
Und gab`s auch am Weg der Steine die Menge,
Herr, mein Gott, Du hilfst sie mir tragen.
Dank an alle und jeden,
der mir die vielen Tage geholfen hat in jeder Lage.
Und Herrgott Du, ich bitte Dich nun,
gib offene Augen und Ohren mir
für alle Not des Bruders, der Schwester
im letzten Viertel der Straße zu Dir!

© by Maria Liebler, Memmingen

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