Christa Lischka


"Lebensbericht" von meinem Enkel Cedric

- 4 Jahre -

Hallo Leute, da bin ich. Naja, leicht waren diese 9 Monate nicht grade. Manchmal wollte ich schon aussteigen, denn je größer ich wurde, um so enger mein kleiner Käfig - aber schließlich konnte ich ja das meiner Mama nicht antun, also hielt ich aus. Und siehe da, es hat sich gelohnt. Die letzte Anstrengung war zwar gewaltig, aber Mama und ich hatten es dann doch geschafft.

Und nun sehe ich mir tagtäglich diese Welt um mich herum an. Komisch alles. Da wird man hin und her gewickelt, mit Milch vollgestopft - oder was ist das? Was man mir da eintröpfelt? Und was ich feste saugen muß! Dann wird man gekitzelt, geknuddelt, geküßt, gestreichelt. Bin gespannt, wie das weitergeht.

Nach und nach erkenne ich die Hauptpersonen um mich herum. Da ist erstmal Mama. Sie ist das Beste, was ich habe. Sie gibt mir zu trinken, zieht mir frische Wäsche an, trockene Windeln etc. und vor allem: Sie lacht mich immer an, das ist lustig und gefällt mir sehr. Dann ist da Papa. Auch er wickelt mich und lacht mit mir. Prima so ein Papa! Und da ist da noch so ein kleines Wirbelding. Ich glaube, es heißt Schwester. Manchmal ist sie ja lieb, aber manchmal ärgert sie mich auch schrecklich, so daß ich einfach brüllen muß, um mich durchzusetzen. Sonst merken die anderen ja gar nicht, daß mich dieses kleine Ding so ärgert. Na warte nur, bis ich größer bin. Du kriegst alles zurück, glaub mir! Naja, mal sehen, vielleicht ist sie ja auch in den nächsten Jahren anders und lieber. Dann bin ich es auch, ist doch klar! Dann sind da noch Oma und Opa und eine zweite Oma und nebenan eine dritte. Ich hab also genug Aufpasser und Liebhaber.

Meine Hauptbeschäftigung - außer trinken und in die Windeln pinkeln - ist das Lachen. Ich glaube, ich liebe das Leben und freue mich über alles.

Zum Beispiel folgendes – wie findet Ihr das? Letzt, als ich grade wieder meine Phonstärke locker spielen ließ, nahm mich mein Papa auf den Arm. Ein Buch vor seiner Nase und über den Ohren hatte er so dicke Dinger. Ich nehme nicht an, daß es Phonverstärker waren, denn ich leistete darin einiges, es waren sicher Schalldämpfer. Nun machte das Brüllen weniger Spaß, weil mich niemand vorwurfsvoll ansieht. Naja, so wurde ich groß und weise!

Ich wurde im "fliegenden Wechsel" zu meinen beiden Oma's gebracht und hatte bald raus, wie ich die eine oder andere für meine "Zwecke" gebrauchen konnte. Von meinem Fläschchen ließ ich mich durch nichts, aber durch gar nichts trennen. Ich nannte es "Nemene" und es war Gesetz! Selbst der Pfropfen war Religion! Kein "gelber", nein, nur ein "weißer" mußte es sein. Aus, keine Widerrede – sonst gibt`s Gebrüll und das wollt Ihr doch nicht. Also, basta!

Nach meinem gemütlichen Krabbelalter machte man mir klar, daß ich "standfest" sein müsse. Na gut, ich tat den Großen den Gefallen. Ich stand und ging - und lief - und eigentlich war das ganz lustig.

Auch meine Sprachbegabung wuchs und es öffneten sich die Tore für den Kindergarten. Der Beginn der Weisheit! Fragt mich nicht, ob ich "gern" dorthin ging. Anfangs war es schon unbequem und da es eine neue Umgebung war, auch ungemütlich, aber dann lernte ich Freunde kennen und das Spielen machte mir doch großen Spaß.

Mit meiner Oma Chris gehe ich viel spazieren und wir bleiben überall stehen, wo es was zu sehen gibt. Und es gibt viel zu sehen! Ich muß ja diese große Welt nach und nach begreifen, also werden große und kleine Steinchen aufgehoben, rundherum angesehen und wenn es gerade so paßt, werfe ich sie in einen Gulli und warte - worauf? Na, vielleicht sitzt da unten einer, der mir die Steinchen wieder zurückwirft? Weiß man`s? Dann wieder zwitschert ein Vöglein im Baum, auch eine Sensation! Na, und wenn auf der Straße ein großer Kran aufgebaut ist, muß die Oma lange, laaaange stehen bleiben mit mir, damit ich alles ganz genau bekucken kann. Denn so ein Kran ist schon was Tolles. Auch die Bagger und vor allem die Müllmänner mit ihren großen Wagen, die - plumps - die Eimer ausleeren. So viel Neues gibt es zu sehen, sie ist schon bunt, diese Welt! Und jetzt im Frühling blüht der Magnolienbaum im Park. Oh ja, ich kann das schon nachsprechen "Magnolie" Und kleine Stiefmütterchen gibt es auch schon, bunt und lustig. Mein kleiner Cousin sagt immer "Stiefmüttelchen" ist auch gut, zumindest versteht man es.

Das Sprechen macht mir jetzt schon großen Spaß und ich rede vieles nach oder bringe eigene Wortschöpfungen. Meine Oma lacht immer über mich und ich lache auch. Wir sind ein lustiges Duo. Gestern hab ich meinen kleinen Laster umgeworfen mit vielen Klötzchen und als Oma meinte, ich solle doch alles wieder einräumen habe ich ihr kategorisch erklärt: "Das bleibt!" Na, da kann sie nix machen, außer lachen . . . . , oder? Ja, meine Oma!

Gern gehe ich mit einkaufen und bekomme beim Metzger einen Wurstzipfel und im Käseladen ein Eckchen Käse und so geht das weiter. Wen wundert`s, daß ich dann daheim keinen Hunger mehr habe auf`s Mittagessen?

Mein Kummer ist die Glastür im Wohnzimmer der Oma. Wenn sie geschlossen ist, meine ich immer ich kann durchsausen aber bums, ich hau dran, und mein Steppel tut weh. Jetzt hat die Oma lauter kleine Bildchen drangeklebt, das ist prima, jetzt ist nicht mehr alles "Glas".

Meine Schwester Mandiza lieb ich heut und hau` ich morgen, aber eigentlich mag ich sie sehr. Sie ist schon viel viel älter als ich, 3 ganze Jahre, und geht schon in die 2. Klasse! Als wir zur Einschulung von Mandi waren, empörte ich mich, daß sie auf die Bühne durfte und ich nicht. Ich echauffierte mich ordentlich und erklärte den Umsitzenden: "Mandiza geht auf die Bühne - ohne m i c h!" Na, das war doch abscheulich, wie konnte sie nur! Ich konnte mich gar nicht beruhigen. Auch als Oma mit mir ein bißchen spazieren ging, mußte sie es sich immer wieder anhören, mein "ooohne mich!"

Letzt ist mir ein Mißgeschick passiert. Ich wollte meiner Oma helfen, die Blumen zu gießen, aber weiß der Kuckuck, die Kanne war wohl zu schwer, auf einmal - plumps - kippte sie mir aus der Hand und alles Wasser auf den Teppich. Aber Oma schimpfte gaaar nicht! Sie lief nur fix mit einem dicken Lappen herbei und saugte damit alles auf. Ich war so erschrocken, daß ich immer und immer wieder echote: "Das hab ich nicht gewollt, das hab ich nicht gewollt...."

Den Großen muß man immer alles erklären, wie lästig! Letzt kamen Oma und Opa in die Bergstraße (das ist bei uns zuhause!) und fragten, wo der Charly wäre. Das ist ein netter Handwerker, der mein Zimmer herrichtet, worauf ich den Großeltern Auskunft gab: "Charly ist oben. Nicht der Affe! Der M a n n !" Na ja, mußte ich doch klarstellen, denn ich sehe im Fernsehen gern die Geschichten "Unser Charly" und womöglich denken die Großeltern wir haben einen Affen im Haus!

Manchmal muß ich auch Familienpolizei spielen. Meine Eltern gehen und gehen nicht ins Bett - worauf ich - na, ich konnte ja auch nicht einschlafen ohne sie - auf die Treppe ging und kategorisch fragte: "Warum seid Ihr nicht im Bett?" Ja, es wird Zeit, daß die Kinder ihre Antiken erziehen, wenn sie so über die Stränge schlagen.

Meine Oma Chris hab ich sehr lieb. Letzt hab ich ihr gesagt, daß sie die schönste Oma der Welt sei, ich glaube, das hat sie sehr gefreut, und das war ja auch keine Lüge, denn ich hab ja von der Welt noch nicht viel gesehen, haha.

Manchmal vergesse ich vor lauter "Knöpfe am Fahrstuhl drücken" die Abschiedszeremonie mit meiner Oma, dann muß Mama nochmal zurückfahren, bei Oma klingeln und - bumbs - hat sie ihren Abschiedskuß von mir. Haja, wir lieben uns halt sehr! Ich hab ihr letzt im Europapark - ui das war vielleicht schön dort - erklärt, daß sie meine "innig Verlobte" sei. Na, ist das was? Woher ich das habe? Weiß nicht – ist halt so.

Ganz wichtig für mich, dass ich keine Windeln mehr brauche, denn Oma Chris hat mir gesagt, wenn ich keine Windel mehr brauche und rechtzeitig auf`s Töpfchen gehe, können wir v e r r e i s e n. Ein Prachtwort! Ich bemühte mich sehr und immer wen ich erfolgreich vom Töpfel aufstand, rief die Oma: "Jetzt können wir verreisen." Und meine Oma machte das auch wahr. Was glaubt ihr? Nicht etwa im popeligen langsamen Regionalzug, nein im Intercity und zurück im Cis Alpino ging es nach Stuttgart. Das war eine Wucht. Und dann ging es in die Wilhelma mit all den Tieren. War das schön! Oma hatte im Rucksack genug "nemene". Der Tag war gerettet!

Ich kuschel so gern bei der Oma. Dann lege ich meinen Kopf in ihren Schoß und sage das Höchste: "Oma, ich hab Dich so lieb". Ich glaube, die Oma freut sich sehr darüber. Das tut uns beiden gut. Wir sind ja schließlich "Verlobte", gelle? Allerdings habe ich letzt gehört, wie Oma zu anderen sagte: "Ich glaube, jetzt ist er arg müde ...." So wird meine Zuneigung ausgelegt! Schämt Euch, Ihr Großen!

Ja, so geht das Leben weiter. Wenn wieder eine Strecke gelaufen ist, melde ich mich. Sicher gibt es noch sehr sehr viel zu erzählen. Das tue ich dann auch, Ehrenwort!

© by Christa Lischka, Neumarkt
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