Christa Lischka


Erinnerung an meinen Großvater

Mein Enkel wollte wieder einmal etwas "von früher" erzählt haben. Eine von vielen lustigen Geschichten fiel mir dazu ein:

Großvater hatte sein medizinisches Handwerk (Handwerk im wahrsten Sinne!) als Sanitätsgefreiter in einem Königlich-Bayerischen Jagdbataillon um 1870 perfekt gelernt. Das kam ihm später zugute, denn da eröffnete er ein Friseurgeschäft (das Handwerk hatte er ja von der Pieke auf gelernt) und war - quasi nebenberuflich, approbierter Bader, kurz: er zog Zähne ohne viel Wenn und Aber.

Wer Zahnschmerzen hatte und auf seinem Friseurstuhl Platz nahm, erlebte den Medicus in Aktion, d.h. er ging zweimal um den Kunden herum - dann - hinterlistig von rückwärts - umfaßte er den Kopf des Delinquenten, setzte die Zange an und - schwupp - flog der Übeltäter raus. Oft sprang ein Blutstrahl nach, der Lappen dafür lag schon parat - ein Schmerz, ein Augenwischen und fertig war die Prozedur.

So wie der Großvater Zähne zog, brachte er auch seine Kenntnisse aus der Sani-Zeit an den Mann - oder die Frau. Auch für das liebe Vieh waren seine Ratschläge gefragt. Niemand ging ohne tröstende Hilfe, ohne die Empfehlung eines Tränkleins oder Tees vom Großvater. Er konnte einfach alles! Weder Buschmann noch approbierter Arzt konnten ihm imponieren, er war er! Und wir Kinder bewunderten ihn sehr.

Aber nicht nur als Friseur und Medicus war er angesehen, er blies auch die "Bumbaton". Ob Feuerwehrball, Kriegerverein, Sportfest, Kirchweih, ob Kindstaufe oder Beerdigung, immer war er mit "Rumdada Rumdada" dabei. Besonders hilfreich war hier seine Schlagkraft, denn wenn die fröhlichen Zecher allzu munter wurden und sich an den Kragen gingen, kehrte der Großvater seine Trompete um und haute damit kurzerhand den Übeltäter aufs Hirn. Gleich war Ruhe - und am nächsten Tag - bestimmt - ein Patient mehr im "Salon".

Jedoch eine Schwäche hat mein Großvater: er war gleichzeitig auch noch Schrankenwärter und für das Auf und Ab des Balkens zur allgemeinen Sicherheit verantwortlich, doch bei Blitz und Donner verzog er sich und veranlaßte meine Großmutter, hinaus zu gehen.... So war er halt mein Großvater, auch ein starker Mann hat seine schwachen Seiten!

Und: das waren - aus meiner Erinnerung - die sogenannten "guten alten Zeiten"-. Ob sie wirklich so gut waren? Alt sind sie jedenfalls und wir wären wohl nicht mehr mit diesen Diagnosen und Methoden zufrieden.

Trotzdem, er war gut, mein Großvater - ehrlich - !

© by Christa Lischka
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