Christa Lischka


Krieg, Befreiung und Untergang

Soeben sah ich im Fernsehen eine "Zugfahrt von Frankfurt nach Kaliningrad" (früher Königsberg).

Warum weine ich immer bei diesen Heimatbildern Königsberg, Masuren, Stettin, Breslau...
Warum weine ich immer wieder nach so unendlich vielen Jahren - wie lange ist das her? 60 Jahre!
60 Jahre und kein Ende der Trauer um die Heimat!

Ich frage in den Wind: was wäre alles anders - so ganz anders - gelebt worden, wenn diese schreckliche Kriegszeit uns nicht überrollt hätte: Jugend, Freunde, Beruf, Leben, Leben und lieben!
Mit leeren Händen standen wir da vor 60 Jahren!
Gewaltsam wurden die Schicksale anders - ganz ganz anders - geflochten. Warum mußte jeder einzelne soviel Leid, so viele Schwierigkeiten auf sich nehmen, als er aus der Heimat gejagt wurde.
Warum nur, warum??

Wie verwundet wurden nicht nur wir, auch unsere herrlichen Städte mit den wunderbaren bauten: zerstört, von Unkraut überwuchert, selten restauriert. In Breslau, meiner Heimatstadt, wurde einiges wiederhergestellt, vor allem rings um den "Ring" mit Rathaus und dem Zentrum der Kirchen (Papstbesuch!) Die unendlich vielen Promenaden und Grünanlagen dieser Stadt konnte kein Feuer zerstören, da ist viel geblieben, Gott sei gedankt!

Immer wieder zieht es die "Ehemaligen" in die Heimatstädte. Wer kann es verstehen? Nur wir selbst, in uns ganz tief.
"wir", das sind die, die diesen wahnsinnigen Krieg nicht ausgerufen haben,
"wir", sind die, die ihn erleiden mußten
"wir" sind die, die mit Rucksack und Decke hinaus mußten aus unseren Wohnungen, im eiskalten Winter 45, alles stehen lassen mußten, was uns einst umgab und zu dem Begriff "Heimat" gehörte,
"wir", sind die, die im eigenen, frem gewordenen Deutschland neu anfangen mußten,
"wir", sind die, die es dennoch schafften
"wir", sind die übrig gebliebenen.

Wer wird es je versteh'n???

© by Christa Lischka

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