Nachschlag zum Muttertag
Ein lauwarmer Frühlingsabend.
Kastanien, Magnolien, Forsythien, alles blüht und preist die Schönheit der Natur.
Wie angenehm ist diese Welt. Diese kleine Welt um uns herum.
Frau Käthe sitzt auf ihrer Lieblingsbank im Park und freut sich an der schönen Umgebung. Da kommt Hanna vorbei und setzt sich ganz selbstverständlich neben sie. "Wird ja Zeit, daß wir uns einmal wiedersehen," meint sie und Käthe lächelt. "Na, welche Gedanken beschäftigen Sie liebe Frau Käthe? Man sieht es Ihnen förmlich an, daß da einiges rumort," beginnt Hanna das Gespräch.
"Sie sind eine Hellseherin, liebe Frau Hanna" lacht Käthe. "Ja, ich habe so nach dem heiligen Muttertag meine Gedanken dazu. Gedanken und Beobachtungen meiner Umwelt. Schauen Sie, da hatte eine liebevolle Tochter in Amerika - oder war es in England, eine einsame Idee den "Muttertag". Diese Idee wurde überall ein Kassenschlager der Blumengeschäfte und, wenn man gut betucht ist, sogar ein Schlager für Konsum jeder Art. Quasi als "Wiedergutmachung" bei vielen und das an
e i n e m Tag im Jahr. Der junge Ehemann ist bedacht, mit den Kindern der Mama einen geruhsamen Tag zu bereiten. Nichts dagegen! Angefangen vom selbst hergestellten Frühstück einschließlich Blumen usw. Aber denkt er auch an
s e i n e Mutter? Nimmt er aktiv teil am Leben seiner alt gewordenen Mutter und gibt er damit zurück, was Mutter einst gab und vielleicht noch gibt? Aufmerksamkeit und Anteilnahme, Gespräche und freundliche Zuwendung?
Ist das zuviel verlangt nach so vielen Jahren der Hilfe für die Kinder? Was war dieses Leben? Oft genug Verzicht. Durchwachte Nächte am Krankenbett! Schlaflose Nächte aus Kummer um das Leben und Streben der Kinder. Sie munterte auf, förderte die Talente der Kinder und gab so das Rüstzeug für den Lebensweg mit. Einen Teil davon wenigstens. Ich meine damit: vergeßt über Eurer Familie Eure Mütter nicht und das nicht nur am "Muttertag!"
"Ja, aber hallo Frau Käthe," warf Hanna dazwischen. "Gehören Sie auch zu den vergessenen Müttern?"
"Oh nein, meine Liebe! Ich bin ja voller Freude mit 75 Jahren zu meinen Kindern und Enkeln gezogen und jeder Tag, an dem ich sie bei mir habe, ist mein spezieller Muttertag. Sie sind meine Freude und sie vergessen ihre alt gewordene Mutter und Oma nicht. Aber ich habe eine ungemein offene Aussage in meinem Senioren-Freundeskreis erfahren, die ich noch loswerden muß. Also, wir sprachen darüber, daß wir diese kommerzielle Muttertags-Blumeneuphorie nicht wollen und den Kindern immer vorher charakterstark erklären: "Bitte, diesen Kommerz nicht unterstützen!" Ha, und dann sitzen wir daheim und je älter wir wurden um so trauriger werden wir am Muttertag, daß "keiner an uns denkt". Ist das nicht lustig? Erst die absolute Ablehnung, dann die enttäuschte Aussage .....
Genauso ging es einer anderen Dame in unserem Kreis, die ihren Kindern und Verwandten vor ihrem Krankenhausaufenthalt sagte: "Kommt jaaaa nicht, ich will meine Ruhe!" Und als die anderen sich daran hielten, war sie tieftraurig, daß niemand sie besuchte.
Ja, so kann es auch kommen, wenn man gar so rücksichtsvoll ist und eigentlich "ja" statt "nein" sagen möchte. Es menschelt halt überall.
© by Christa Lischka
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